Pubertät beim Hund: Was wirklich im Junghund passiert

Silke Ackermann • 7. Dezember 2025

Pubertät beim Hund

 - Entwicklungsphasen, Verhalten & Training -

So begleitest du deinen Junghund sicher durch die Flegelphase

Eben noch Welpe, plötzlich Teenager:

Der Hund, der gestern noch zuverlässig kam, wenn du ihn gerufen hast, scheint heute ein anderes Betriebssystem zu fahren. Signale, die längst saßen, werden scheinbar „vergessen“, Reize werden lauter, Emotionen größer, die Welt aufregender – und manchmal einfach zu viel.


Viele Hundehalter fragen sich in dieser Zeit:


 „Was habe ich falsch gemacht?“


Die kurze Antwort: Gar nichts.

In der Pubertät passiert beim Hund nichts „Defektes“, sondern etwas Hochkomplexes: Sein Körper und vor allem sein Gehirn werden neu sortiert.

Was in der Pubertät im Hundekörper passiert

Pubertät ist weit mehr als „der Hund wird geschlechtsreif“.

Im Gehirn werden Nervenzellen neu verknüpft, bestehende Verbindungen abgebaut und andere verstärkt.


Neurobiologisch geschieht Folgendes

  • Das limbische System (Emotionen) reagiert schneller und stärker.
  • Der präfrontale Kortex – zuständig u. a. für Impulskontrolle, Abwägen und Selbstregulation – ist noch nicht fertig ausgereift.
  • Hormone (Östrogene, Testosteron & Co.) verändern Wahrnehmung, Motivation und Stressverarbeitung.


Übersetzt heißt das:

Das bedeutet: Ein Junghund weiß oft, was er tun soll – kann es aber nicht zuverlässig umsetzen.

Pubertät ist daher kein „Will nicht“, sondern oft ein „Kann gerade nicht besser“.


Die Entwicklungsphasen der Pubertät beim Hund

Die Altersangaben sind Richtwerte. Kleine Hunde reifen meist früher, große und Riesenrassen später.

Jeder Hund ist individuell – aber die grundlegenden Prozesse ähneln sich.


Phase 1:

Vorpubertät – der erste Schritt in die Selbstständigkeit

Ca. 5.–7. Lebensmonat

Dein Hund ist kein kleines Baby mehr. Er wird sicherer auf seinen Pfoten, neugieriger und mutiger.


Typische Merkmale:

  • kürzere Aufmerksamkeitsspanne
  • Umwelt wird spannender als der Mensch
  • erste „Abkoppelungsmomente“: der Hund bleibt mal weiter weg, stöbert länger, kommt später zurück
  • geringe Frustrationstoleranz. „Nein“, „Warten“ und „Weg da“ frustrieren schnell


Wichtig in dieser Zeit:

  • Routinen,
  • klare Strukturen,
  • kurze Übungseinheiten,
  • ruhige Wiederholung der Basissignale,
  • Bindung stärken, ohne zu klammern
  • dem Hund sichere Sozialkontakte ermöglichen (Hund und Mensch)

Phase 2:

Frühpubertät – hormonelle Umstellung.

Wenn Hormone mitreden

Ca. 6.–10. Lebensmonat


Jetzt beginnt die eigentliche hormonelle Umstellungszeit. Fortpflanzungssystem und Hormone fahren hoch, der Körper wächst – und mit ihm die innere Unruhe.


Typisch für diese Phase:

Typisch:

  • Verhalten wirkt „wankelmütig“: heute geht’s super, morgen ist alles schwierig
  • Rückruf und Orientierung wird unzuverlässiger
  • Reaktion auf Umweltreize (Menschen, Hunde, Geräusche) wird intensiver
  • Rüden beginnen häufiger zu markieren, Hündinnen zeigen erste Anzeichen der Geschlechtsreife
  • mehr Unsicherheit oder Übersprung
  • Unsicherheit kann sich verstärken – oder in nach außen gerichtetes Verhalten kippen (Pöbeln, Bellen, Meiden)


Trainingsfokus:

  • Reizmanagement (nicht „ins Feuer schicken“, sondern klug dosieren)
  • Signale in eher reizarmen Situationen festigen
  • viel Bestätigung für erwünschtes Verhalten
  • ruhige, vorausschaubare Abläufe im Alltag
  • Sicherheit vermitteln, statt „Druck“ zu erhöhen



Phase 3:

Hochpubertät – die berühmte „Flegelphase“

Ca. 8.–14. Lebensmonat

Jetzt melden sich viele Hundehalter bei mir – und das ist verständlich.



Typische Verhaltensbilder:

  • erlernte Signale scheinen gelöscht, der Hund wirkt „respektlos“, „stur“ oder „bockig“.
  • Impulse schießen oft direkt ins Verhalten: Hinterherlaufen, Pöbeln, Springen, Ziehen
  • Stimmung und Reaktionen wechseln schnell: von überdreht zu unsicher, von freundlich zu genervt
  • Begegnungen mit Menschen, Hunden, Fahrrädern etc. werden emotionaler – in beide Richtungen (Unsicherheit oder Pöbeln)
  • Stress und Überforderung zeigen häufiger. z.B. in Bellen, Zerren, Winseln, Anspringen, hektischem Verhalten oder Meiden


Wichtig ist:

Das ist kein „Charakterbruch“ – es ist Umbauzeit.


Trainingsfokus in der Hochpubertät:

  • Regulation vor Perfektion: Erst runterfahren, dann trainieren
  • Management statt Dauer-Konflikte: Leine, Abstand, klare Wege, vorher geplante Strategien
  • Impulskontrolle in kleinen, gut machbaren Schritten, nicht im vollen Reizfeuer
  • Mensch-Hund-Beziehung stärken: faire und klare Kommunikation
  • Pausen und Ruhephasen ernst nehmen – Schlaf ist Gehirnarbeit



Phase 4:

Späte Pubertät – Sortieren, Stabilisieren, Erwachsenwerden

Ca. 12.–18 Monate, bei großen Rassen bis 24–36 Monate

Jetzt beginnt – je nach Hund – die Phase, in der sich vieles wieder stabilisiert.


Typisch:

  • höhere Belastbarkeit
  • Signale wirken wieder „verlässlicher“
  • bessere Konzentrationsfähigkeit
  • differenziertes Sozialverhalten, er lernt besser einzuschätzen, was sich lohnt und was nicht,
  • die Persönlichkeit tritt klarer hervor


Trainingsfokus:

nun lohnt sich der sorgfältige Feinschliff

  • Alltagssituationen können strukturierter und gezielter genutzt werden
  • Aufbau von Ausdauer, Frustrationstoleranz und „Nervenstärke“ in angemessenen Dosen
  • weiter faire, klare Führung – jetzt nicht „einbrechen“ und zu viel erwarten



Warum diese Phasen so unterschiedlich verlaufen

Nicht jeder Hund zeigt alle Phasen gleich deutlich. Unterschiede entstehen durch:

  • Genetik & Rasse (z. B. Temperament, Reizoffenheit, Unsicherheitsneigung)
  • Frühe Erfahrungen (Sozialisation, Stress, Trauma, Über-/Unterforderung)
  • Haltungs- und Lebensumfeld
  • Trainingsansatz (bedürfnisorientiert vs. konfrontativ)
  • Gesundheitszustand


Darum gilt:

Pubertät ist kein Zeichen von Ungehorsam, sondern eine Entwicklungsphase, die professionelle Begleitung verdient.



Pubertät ist nicht das Problem – fehlende Begleitung schon

Wird ein Junghund in dieser Phase:

  • permanent überfordert,
  • für pubertäres Verhalten bestraft oder hart korrigiert
  • ohne Struktur und sicheren Rahmen gelassen,
  • oder missverstanden, ohne klare faire Führung gelassen

speichert er Stress, Kontrollverlust und Unsicherheit – nicht Kooperation.


Gutes Training in der Pubertät bedeutet:

  • erkennen und verstehen, was im Hund passiert
  • Anpassen, statt stur am Trainingsplan festzuhalten
  • Schützen, wo der Hund Grenzen hat
  • Stärken, wo der Hund Entwicklungspotenzial zeigt



Wie ich dich und deinen Hund durch die Pubertät begleite

Wenn du merkst, dass dein Junghund gerade „alles auf einmal“ erlebt, bist du damit nicht allein. Und du musst da auch nicht alleine durch.


Bei Doghumens ist Pubertät kein Stempel, sondern ein Trainingsschwerpunkt.


Dein nächster Schritt

Wenn du dich in diesem Artikel wiedergefunden hast und dein Junghund gerade mitten in dieser Umbruchzeit steckt, unterstütze ich euch gerne.


Junghunde-Basiskurs

Ein klar aufgebauter Kurs, speziell abgestimmt auf die Bedürfnisse pubertärer Hunde.


Junghunde-Gruppen

Strukturierte offene Gruppen mit Fokus auf Orientierung, Alltagssicherheit & Sozialverhalten.


Themenabend „Pubertät beim Hund“

Verstehen, bevor man trainiert: Neurobiologie, Verhalten, Stolperfallen & Lösungsstrategien. 


Dein Hund ist nicht „schwierig“.

Er ist in Entwicklung.

Und genau dabei begleite ich euch.



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